Fachärzte für Dhulikhel – eine Erfolgsgeschichte

von Dr. Bernhard Auer

Als ich im Jahre 2001 wieder einmal das Dhulikehlhospital besuchte und mit Dr. Ram über die Weiterent- wicklung des Spitals, seine Sorgen und Nöte sprach, stellte sich heraus, dass neben den baulichen ,instrumentellen und apparativen Wünschen auch die personelle Besetzung mit gut ausgebildeten Fachärzten eine absolute Notwendigkeit war, um die steigenden Patientenzahlen bewältigen zu können.

Es wurde die Idee geboren, die Hälfte der notwendigen Ausbildungszeit zum jeweiligen Facharzt hier in Tirol durchzuführen.

Ich kann mich noch gut an den Abend erinnern, als mir Dr. Ram die ganz junge Kollegin Dr. Sunila Shakya vorstellte, sie sollte zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe ausgebildet werden.

Es freute uns besonders, dass ich meinen Freund Prim. Dr. Burghard Abendstein, den Leiter der Gynäkologischen Abteilung am BKH Hall, für unsere Idee gewinnen und begeistern konnte. Er erklärte sich bereit, mit seinen Mitarbeitern die Ausbildung der jungen Kollegin aus Dhulikhel zu übernehmen.

Zuvor galt es jedoch zahlreiche Schwierigkeiten zu klären und zu überwinden, wie zum Beispiel die rechtliche Situation, Versicherung, Haftung bei der Ausbildung, Anerkennung der Ausbildungszeit in Nepal, Unterbringung, Aufenthaltsgenehmigung ect.

Alle Probleme konnten jedoch unter der tatkräftigen Mithilfe unserer Freunde von der Nepalhilfe Tirol, der finanziellen Unterstützung durch den Lions Club Innsbruck-Hall, der Verwaltung des BKH Hall und vielen anderen bewältigt werden.

Endlich war es soweit. Dr. Sunlila Shakya begann ihren ersten Ausbildungsturnus am BKH Hall im Mai 2002 bis Oktober 2002.Es folgten jeweils halbjährige Ausbildungszeiten 2004/2005 und 2006.

In der Zwischenzeit war es durch die guten Kontakte unseres Freundes Rainer Pieber zum damaligen Vorstand der Kinderklink und späterem Mitglied unserer NepalHife Tirol Prof. Dr. Zimmerhackl gelungen, an der Innsbrucker Kinderklinik eine Ausbildungsstelle zum Facharzt für Kinderheilkunde zu organisieren und durchzuführen.

So konnte als zweite Ärztin aus Dhulikhel Dr. Srijana Dongol ihre Ausbildung zum FA für Kinderheilkunde von Februar bis Juli 2004 beginnen mit nachfolgenden halbjährlichen Ausbildungszeiten 2005 und 2006.

Wir sind sehr stolz auf auf beide Ärztinnen, die im Jahr 2007 (Dr. Sunila) und 2008 (Dr. Srijana) ihre Facharztprüfung mit Erfolg an der Universität in Kathmandu abgelegt haben. Als Prüfer waren die jeweiligen Ausbildungsleiter Prim. Dr. Abendstein und Prof. Dr. Zimmerhackl in Kathmandu.

Inzwischen besteht auch ein Kooperationsvertrag zwischen der Medizinischen Universität Innsbruck und der University Kathmandu.

Die Anästhesistin Dr. Sangina Ranjit-Malla erhielt in der Zeit von November 2009 bis April 2010 eine Spezialausbildung zum Intensivmediziner.

Dr. Anish Joshi war von November 2009 bis April 2010 und vom März bis August 2011 an der Kinderklinik zur Ausbildung zum Facharzt für Kinderheilkunde und wird nächstes Jahr nochmals für ein halbes Jahr nach Innsbruck kommen.

Derzeit absolvieren zwei Schwestern aus Dhulikhel eine 3-jährige Ausbildung zur Hebamme an unserem Ausbildungszentrum in Innsbruck. Sie sind sehr fleißig und erfolgreich und werden nach Abschluss ihres Studiums ihr Wissen nicht nur praktisch sondern auch als Lehrhebammen in Dhulikhel weitergeben

Wir freuen uns besonders, dass sowohl Dr. Sunila u. Dr. Srijana in ihrem Fachgebiet bereits leitende Funktionen im Spital in Dhulikel ausüben.

Auch alle anderen bisher in Tirol ausgebildeten Ärzte kehrten an das Dhulikhelhospital zurück und arbeiten dort wieder mit vollem Einsatz für die vielen Patienten.

Abschließend möchte ich festhalten, dass diese Art der Hilfe – spezielle medizinische Ausbildungen – wohl die effektivste und nachhaltigste ist, die wir in Nepal und speziell in Dhulikhel zur Verfügung stellen können. Sie kommt nämlich im übertragenen Sinn direkt der Bevölkerung zu Gute und ist sicher weit besser angelegt als manch anonyme Geldspende.


Dhulikhel Hospital

Dieses Konzept der Hilfe und Unterstützung für das Spital in Dhulikhel wird auch in Zukunft für die Nepalhilfe Tirol eine hohe Priorität haben.