Wärme für Nepal direkt aus Tirol – Tiroler Wirtschaft 5. Feber 2015

„Im WIFI in Innsbruck lernt der nepalesische Schlosser Tek Bahadur Shrestha, wie man einen typisch nepalesischen Ofen noch effizienter macht. Möglich gemacht hat das der Verein Nepalhilfe Tirol mit dem Projekt „Wärme für Nepal“.

Mit gekonnten Schlägen bearbeitet Tek Bahadur Shrestha in der Metallwerkstätte im WIFI Innsbruck ein Stück Metall. „Nimm den anderen Hammer“, rät Ausbilder Sebastian Nössing und deutet auf das Werkzeug. Ob-wohl Tek Bahadur kein Wort Deutsch spricht, versteht er sofort, worum es geht und wechselt den Hammer.

Tiroler Know-how für den nepalesischen Ofenbau. Der 45-jährige nepalesi-che Schlosser ist im Rahmen des Projektes „Wärme für Nepal“ zu Besuch in Tirol und lernt hier, wie man einen typisch nepalesischen Ofen effizienter machen kann. „Die Heizungssituation in Nepal ist prekär. Es gibt pro Gebäude nur einen Ofen. Warm ist es nur davor, einige Meter entfernt ist es schon wieder kalt“, erklärt der Imster Ingenieur und Projektleiter Dieter Lhota. Er und der Tiroler Bergsteiger und Unternehmer Wolfgang Nairz haben sich bei einem Begleittrekking in Nepal kennengelernt.

Nairz ist auch Obmann des Vereins Nepalhilfe Tirol und schon bald wurde die Idee geboren, Tiroler Know-how im Ofenbau nach Nepal zu bringen. Das war der Startschuss für „Wärme für Nepal“. „Das Projekt hat eine traumhafte Eigendynamik entwickelt. Wir haben keinen Sponsor. Alle beteiligten Unternehmen – egal ob Architekt, Schlosser, Ofenbauer, Spengler, Kaminkehrer oder Fotograf – machen das auf eigene Kosten“, schwärmt Lhota.

Das Expertenteam hat in Tirol einen Prototypen des Ofens mit Verbesserungen in den Bereichen Brennstoffersparnis, Wirkungsgrad und Komfort entwickelt. In einer Kunstschlosserei wurden anschließend alle Teile in Handarbeit angefertigt. Getestet wurde der Prototyp im Pitztal auf 3.400 Metern Seehöhe, um der nepalesischen Höhenlage zu entsprechen. „Uns war von Anfang an klar, dass nicht alles funktionieren wird. Mit Liebe zum Detail hat unser Expertenteam mit den Verbesserungen experimentiert und sie zu einem tollen Ergebnis gebracht“, führt der Imster Ingenieur weiter aus.

Verbesserungen umsetzen
Die Experten reisten mit den neuen Teilen im Gepäck nach Nepal. In einer Schlosserei in Kathmandu wurden die Komponenten gemeinsam mit nepalesischen Schlossern an einem Ofen angebracht. „Es war eine Herausforderung, die Arbeitsverhältnisse dort sind abenteuerlich. Geschweißt wird am Boden, Arbeitssicherheit spielt keine Rolle und es gibt auch keine Pläne“, sagt Lhota. Trotz sprachlicher Bar-riere hat alles gut geklappt.

Der nächste Schritt war dem Projektteam schnell klar: Ein nepalesischer Schlosser sollte zur Einschulung nach Tirol kommen, um hier zu lernen, wie man die verbesserten Teile selbst herstellt. „WK-Vizepräsident Martin Felder hat uns sofort sein OK gegeben, dass wir mit Tek Bahadur dafür zwei Wochen ins WIFI nach Innsbruck kommen können. Hier haben wir Platz und die Mitarbeiter mit dem nötigen Know-how“, freut sich Lhota.

Dem Nepalesen wurde im WIFI ein Ausbilder zur Seite gestellt, der perfekter nicht sein könnte: „Sebastian Nössing war fünf Jahre lang Entwicklungshelfer in Papua Neuguinea und Sambia. Uns war sofort klar, dass er Tek hier alles zeigt. Es ist ein großes Glück, dass der Wastl noch da ist, im April geht er in Pension“, schmunzelt Manfred Gläzle, Leiter der WIFI-Metallwerkstätte. Schweißen, schneiden, einrollen, biegen, lochstanzen und anreißen stehen im WIFI am Programm.

„Tek hat gute Vorkenntnisse als Bauschlosser und er ist sehr geschickt. Bei uns lernt er, wie er die verbesserten Teile herstellt und richtig zusammenbaut“, erklärt Ausbilder Nössing. Darüber hinaus wird ihm alles rund um das Thema Arbeitssicherheit beigebracht und er hat auch eine eigene Arbeitsbekleidung samt Schutzbrille bekommen.Auf Nachfragen antwortet Tek Bahadur nur sehr schüchtern. „Es gefällt mir sehr gut und es ist interessant hier in Österreich“, so viel war ihm zu entlocken.

Auch in der Freizeit kümmert sich Sebastian Nössing um das Wohl seines Schützlings: Bei einem Ausflug auf das Hafelekar konnte der Nepalese vertraute Höhenluft schnuppern. Nach der Aus-bildung im WIFI geht es für Tek Bahadur weiter nach Imst, wo er Station bei einem Spengler, Kaminkehrer, bei Ofenbau Reca und Michael Hammerle macht. Zum Abschluss bekommt er von allen Arbeitsstätten ein Arbeitszeugnis ausgestellt und genügend Material und Werkzeugt mit nach Hause.“

Tiroler Wirtschaft, 5. Feber 2015

Wärme für Nepal (Tiroler Wirtschaft 5.Feber 2015)